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Verfasst: 11. Januar 2009 04:20 
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Seriöse Mediziner entdecken alte esoterische Praktiken als Wundermittel im Kopf: Die Kraft der Einbildung beeinflusst Herzschlag und Hirnströme. Allein durch den Willen kann man sogar Krankheiten heilen. Und mit dem Biofeedback sollen Patienten lernen, Schmerzen einfach wegzudenken.

Das ist nicht zu schaffen. Bis morgen noch zwei Aufträge erledigen. Unmöglich, dann noch telefonieren, einkaufen und zur Post. Alles viel zu viel. Was für ein Druck, schrecklich. – Da sind sie wieder, die Gedanken. Nichts als Gedanken. Und doch haben sie ungeahnte Macht über unser Befinden. Kreisen sie unentwegt um die anstehende Arbeit, verursachen sie schon mal Stress, der sich nüchtern betrachtet vielleicht in Luft auflöst. Längst wissen Forscher, dass Menschen sich selbst Druck machen können. Im Kopf. Allein mit der Kraft des Geistes kann der Mensch messbar den Pegel des Stresshormons Cortisol steigen lassen.

Doch das Gehirn ist keine Einbahnstraße. Ebenso gut ermöglicht es, mental zu entspannen. Die positive Kraft der Gedanken lässt Schmerzen abflauen und Kurzatmige tiefere Lungenzüge nehmen. Sie kann sogar Krankheiten lindern: Gezieltes Geistestraining hilft Epileptikern einem Anfall zu entrinnen und beruhigt hyperaktive Kinder. Auf lange Sicht kann die Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) sogar verschwinden. Mit solchen Erfolgen rühmen sich Biofeedbackforscher.

Manöver gegen Kurzatmigkeit

Ihre Methode: Unbewusste Körpersignale, etwa die Atemfrequenz, werden gemessen und dem Patienten an einem Monitor vor Augen geführt. Beim Anblick seiner Lungenzüge kann er lernen, sie willentlich zu lenken. Tiefer zu atmen, ruhiger und gleichmäßiger. Mit intensivem Training wird die Lunge so aus der Kurzatmigkeit hinausmanövriert. Das Bild auf dem Monitor meldet jede Veränderung sofort an den Patienten zurück, worauf der Name „Biofeedback“ beruht.

Der Vorsilbe „Bio“ zum Trotz hat die Therapie allerdings nichts mit alternativen Heilverfahren zu tun. „Es ist eine wissenschaftlich fundierte Methode der Verhaltensmedizin und damit der Schulmedizin“, macht Psychologin Ute Strehl von der Universität Tübingen klar.
Biofeedback wird gegen vielerlei Beschwerden angeboten – von Migräne über Muskelverspannung, Bluthochdruck und Asthma bis zum Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) und Schlafstörungen. „Mit der Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten hat das Gebiet in den letzten Jahren einen kräftigen Aufschwung erfahren“, sagt Barbara Timmer, Biofeedbacktherapeutin und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback.

Besonders gut untersucht ist die Wirkung bei Kopfschmerzen. Knapp 100 Studien gibt es hierzu. Die Psychologin Yvonne Nestoriuc von der Universität Marburg hat sie in aufwendigen Metaanalysen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht. Demnach hilft Biofeedback den Migränepatienten dauerhaft, langfristig und ausgesprochen gut. Die Attacken treten nach der Behandlung allenfalls noch halb so oft auf, weiß Nestoriuc. Selbst Patienten, die jahrelang erfolglos ihr Leiden mit Medikamenten in den Griff zu bekommen suchten, sprechen auf Biofeedback an. Das Verfahren gilt als effektivste nichtmedikamentöse Behandlungsmethode.

Wie Biofeedback funktioniert, erleben Kopfschmerzgeplagte täglich bei Barbara Timmer in der Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee. Sie befestigt einen Sensor auf der Stirn ihrer Patienten, der mit Infrarotstrahlen die Weite der Schläfenarterie misst und am Bildschirm in Form von zwei Balken anzeigt. Dann fordert sie ihr Gegenüber dazu auf, die beiden Balken mit Geisteskraft aufeinander zu zu bewegen, also die Arterie zu verengen.
„Ich lasse sie selbst herausfinden, welche Gedanken dabei helfen. Wenn sie nicht weiterkommen, gebe ich Hilfestellungen. Zum Beispiel, dass sie sich vorstellen, in einen Tunnel zu gehen, der immer schmäler und kühler wird“, schildert Timmer. Bei Kälte ziehen sich die Gefäße naturgemäß zusammen.

Kinder tun sich leichter

Insbesondere Kinder tun sich sehr leicht, weil sie beim Ausprobieren fantasievoller und spielerischer vorgehen als Erwachsene. Diese brauchen dagegen zum Teil eine Handvoll Sitzungen, bis die Blutgefäße ansprechen. Einmal erlernt, geht es dann ans Training: zwei Minuten verengen, zwei Minuten erweitern. Immer und immer wieder. „Das ist wie im Fitnessstudio“, vergleicht Timmer. Auch zu Hause sollen die Teilnehmer ohne Gerät weiterüben, damit sie die Methode bei einer sich anbahnenden Kopfschmerzattacke aus dem Effeff beherrschen.

Ziel der Sitzungen ist es, die natürliche Schwankungsbreite der Arterie mental zu reduzieren. Parallel dazu gehen meist die Migräneattacken zurück. Die Therapeuten erklären sich diesen Zusammenhang damit, dass die Schläfenarterien bei Kopfschmerzpatienten sensibler auf Umweltfaktoren reagieren und in ihrer Breite drastischer schwanken als bei Gesunden. Mittlerweile weiß man allerdings, dass dies nicht die alleinige Ursache des Brummschädels ist. „Obwohl die Wirksamkeit des Biofeedbacks mannigfaltig belegt ist, ist unklar, wie es bei Migräne genau wirkt“, räumt Timmer ein.

Wichtig ist anscheinend, dass der Patient im Laufe der Behandlung Kontrolle über sich selbst erlangt. Er hat seinen Kopf wieder im Griff; er kann etwas gegen die Schmerzen tun. Vielleicht treiben diese Erfolgserlebnisse die Heilung wesentlich voran, mutmaßen die Forscher. Für eine unspezifische Wirkungsweise spricht jedenfalls, dass sich das Befinden der Patienten bessert. Angst und Depressivität schwinden, die Stimmung hellt auf.

Obgleich man beim Kopfschmerz nicht genau weiß, warum Biofeedback hilft, versteht man die positive Wirkung bei anderen Beschwerden durchaus. So hilft das Verfahren bei stressbedingter Blasenschwäche, weil die Beckenbodenmuskulatur gestärkt und gedanklich gesteuert wird. Eine Elektromyografie-Sonde in der Vagina misst zu diesem Zweck die Muskelaktivität und übermittelt die Werte auf einen Monitor. Die Betroffenen lernen, den Beckenboden anzuspannen und gleichzeitig die Bauchdecke zu lösen. In dieser Haltung wird der Harnverschluss umklammert und der Urin zurückgehalten. Dieses Muskelspiel hilft später ohne Gerät, das Wasserlassen in stressigen Augenblicken zu kontrollieren.

Mittlerweile bieten eine Handvoll deutscher Hersteller Biofeedbackgeräte an. Elektromyografie-Sonden im Rücken erfassen den Tonus einer verspannten Wirbelsäule. Bluthochdruckpatienten tragen Pulsaufnehmer an den Ohrläppchen oder an den Fingerkuppen. „Neue Geräte sind besonders patientenfreundlich, weil der Kabelsalat dank Funktechnik verschwunden ist“, erläutert der Herzbiofeedbackspezialist Michael Mück-Weymann aus Neustadt an der Aisch und fügt hinzu: „Zu viel technisches Brimborium kann auch stressen.“

Er beobachtet eine steigende Nachfrage nach Biofeedbackbehandlungen. Gleichwohl sind ausgebildete Therapeuten in Deutschland relativ rar. Bislang haben sich 250 Psychologen und Verhaltensmediziner mit dieser Qualifikation niedergelassen. Zusätzlich bieten einige Praxen die Methode ohne spezielle Ausbildung an.

Unterdessen weitet sich die Forschung aus. Aus dem Biofeedback ist in den vergangenen Jahren das Neurofeedback hervorgegangen. „Das ist im Moment der große Renner“, lässt Timmer durchblicken. Hirnströme werden dabei mit EEG-Sonden gemessen und am Computer dargestellt, sodann wird die Gehirnaktivität bewusst beeinflusst. Krankheiten, die ihre Wurzeln im Kopf haben, sollen so mit Willenskraft kuriert werden. Dass diese Hilfe zur Selbsthilfe fruchten kann, beweisen Ute Strehls Experimente. Sie bot Epileptikern, denen keine Arznei half, ein Neurofeedbacktraining, und siehe da, die Anfälle der Patienten gingen zurück. „Bei zwei Dritteln sank die Häufigkeit um zehn bis 90 Prozent“, fasst sie zwei Studien zusammen. Einige Teilnehmer waren sogar für ein bis zwei Jahre beschwerdefrei. Nur bei einem Drittel zeigte die Lernmethode keine Wirkung.

Versuch und Irrtum

In 30 Sitzungen hatte Strehl die Teilnehmer darauf getrimmt, die Erregung ihres Gehirns zu hemmen. Unmittelbar vor einem Anfall gerät ihre Denkzentrale nämlich in einen hyperaktiven Zustand, in dem viele Nervenzellen in stupidem Gleichtakt feuern. „Wir wissen aus der Hirnforschung, dass die langsamen kortikalen Potenziale dieser Übererregung entgegenwirken. Die Patienten lernen, diese zu verstärken“, beschreibt Strehl.
Manche reagieren bei der Vorstellung von einem entspannenden Bad, andere müssen im Geist ein Glas Rotwein trinken und wieder andere sehen einfach eine bestimmte Farbe vor ihrem geistigen Auge, um ihrem Hirn die gewünschten Potenziale zu entlocken. „Jeder muss über Versuch und Irrtum herausfinden, was bei ihm funktioniert. Das ist individuell verschieden“, so Strehl. Sie macht keinen Hehl daraus, dass die Hirnübungen am Anfang schwerfallen. Aber: „Wenn man es einmal kann, verlernt man es nicht mehr. Das ist wie beim Radfahren.“ In jeder Sitzung hemmen und erregen die Epileptiker dann ihr Gehirn 140 Mal im Wechsel.

Erfolge verbucht Strehl mit dem Neurofeedback auch bei hyperaktiven Kindern. Deren Gehirn ist tendenziell untererregt, glaubt man, weshalb sich ADHS-Patienten schwer konzentrieren können und oft auffällig unruhig sind. Sie können jedoch lernen, ihren Geist zu aktivieren und ihre Gedanken zu sammeln. In 30 Sitzungen Neurofeedback. Zwei Jahre nach dem Training hatten 60 Prozent der Kinder kein ADHS mehr, berichtet Strehl. Eine Sensation: „Das erreichen Sie heute mit keinem Medikament“, freut sich die Tübinger Forscherin. „Wir sind auf dem Weg, eine richtig gute und anerkannte Methode für die Behandlung von Kindern mit ADHS zu bekommen.“ Zwar wird die Biofeedbacktherapie nicht routinemäßig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, aber in Einzelfällen hätten die Kassen die Kosten doch erstattet.

Manche Kasse zahlt

Es wäre jedenfalls nicht das erste Leiden, bei dem Neurofeedback Medikamenten auf lange Sicht überlegen ist, weiß Lothar Niepoth, Psychologe in München. Beispielsweise müssen Ärzte bei lange anhaltenden Schlafstörungen von Schlaftabletten abraten, weil sie abhängig machen können. Niepoth bietet den Betroffenen stattdessen eine Kombination aus Biofeedback zur Muskelentspannung und Neurofeedback. „Der Patient stellt muskulär und mental in den Sitzungen einen Zustand her, den er braucht, um einschlafen zu können“, beschreibt Niepoth. Gelöste Kau-, Rücken- und Schläfenmuskeln gehören ebenso dazu wie ein verstärkter sogenannter sensomotorischer Rhythmus im Gehirn, der das Rasen der Gedanken unterdrückt. Aktive Gedanken verhindern nämlich den Einschlafvorgang. Nach zehn bis 20 Sitzungen können die Patienten schneller einschlafen und schlafen insgesamt länger, sagt Niepoth. Studien der amerikanischen Mayo Clinic Rochester und eine aktuelle Analyse von österreichischen Psychologen der Universität Salzburg bestätigen das.

Stressforscher Christoph Bamberger vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ist vom Biofeedback so begeistert, dass er sich sogar im Büro mit einem Hautleitfähigkeitssensor verkabelt. Der Hautwiderstand gibt Auskunft über den Grad der Verspannung. Sobald Bamberger gestresst ist, etwa wenn sein Telefon in einer hektischen Minute läutet, steigt ein Ballon an seinem Bildschirm auf. Für Bamberger ein Warnsignal: „Ich sage mir dann: Jetzt erst mal ganz ruhig atmen.“ Und schon sinkt der Ballon wieder zu Boden. Seine Stimme am Telefon klingt tatsächlich entspannt.

Einige Biofeedbackhersteller bieten Geräte für zu Hause an, mit denen man ohne Therapeut in den eigenen vier Wänden die Körperwahrnehmung schulen kann. Die Expertin Barbara Timmer warnt jedoch Kranke vor Selbstheilungsversuchen: „Es gibt keine Studien darüber, wie effektiv Biofeedback ohne angeleitete Therapie ist. Therapie in Eigenregie erscheint mir da nicht besonders ratsam.“

Quelle: - 09.01.2009 - www.welt.de/wissenschaft/article2996790 ... anken.html


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Verfasst: 17. November 2009 22:53 
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17.11.2009

Gedanken an geliebte Menschen können Schmerzen verringern

Los Angeles/ USA - Eine Studie an der University of California hat gezeigt, dass alleine der Gedanke an einen geliebten Menschen Schmerzen reduzieren können. Für die beteiligten Psychologen bestätigen die Ergebnisse der Untersuchung die Bedeutung sozialer Verhältnisse und eines gesunden sozialen Umfeldes.


In den Experimenten setzte das Team um Naomi Eisenberger 25 Probanden, die sich seit mehr als sechs Monaten in einer festen Liebesbeziehung befanden, leichten Schmerzen aus, während sie gleichzeitig unterschiedlichen Situationen ausgesetzt wurden. In einer dieser Situationen sollten sie zum einen ein Foto ihres Freundes, dann das eines Fremden und ein Bild eines Objekts betrachten.

"Immer dann, wenn die Frauen das Bild ihres Freundes betrachtet hatten, beschrieben sie die induzierten Schmerzen als weniger stark als dann, wenn sie das Foto des Fremden oder das eines Objekts ansahen", fast Eisenberger die Ergebnisse der Studie zusammen. "Alleine die Erinnerung an den Partner aufgrund eines einfachen Fotos war in der Lage, die empfundenen Schmerzen zu lindern."

Für die Wissenschaftler verändert diese Erkenntnis die bisherige Vorstellung davon, wie soziale Unterstützung Menschen beeinflusst. "Normalerweise glauben wir, dass ein gesundes soziales Umfeld dazu beiträgt, dass wir uns gut fühlen und dass diese Art von Unterstützung unsere sozialen Bedürfnisse erfüllt. Nun sehen wir, dass schon alleine ein Foto einer uns nahe stehenden Person den gleichen Effekt haben kann."

In weiteren Situationen sollten die Testpersonen die Hand ihres Partners, dann die eines Fremden und zuletzt einen Knetball halten, während ihnen erneut die leichten Schmerzen verabreicht wurden. Die Ergebnisse hierbei zeigten nun, dass auch das Halten der Hand des Freundes das physische Schmerzempfinden reduziert und die Schmerzen stärker empfunden wurden, wenn es sich um die Hand des Unbekannten oder um den Ball handelte.

Laut Eisenberger zeigt die Studie, "wie stark der Einfluss unsere sozialen Bindungen auf unsere Wahrnehmung sein kann. Die Ergebnisse heben zudem die Wichtigkeit sozialer Unterstützung auch für unsere physische und mentale Gesundheit hervor."

Als praktischen Rat empfehlen die Forscher für jenen Fall, dass es nicht möglich ist, eine uns nahe stehende Person zur Unterstützung in einer stressigen oder gar schmerzhaften Situation mitzubringen, stattdessen ein Foto dieses Menschen zu betrachten. Ihre Studienergebnisse haben die Psychologen in der November-Ausgabe der Fachzeitschrift "Psychological Science" veröffentlicht.

Quelle: - 17.11.2009 - grenzwissenschaft-aktuell.de / ucla.edu
- http://grenzwissenschaft-aktuell.blogsp ... schen.html


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