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Verfasst: 30. Dezember 2009 19:23 
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Mit Finsternissen am Himmel wurde Mitteleuropa in diesem Jahr nicht verwöhnt. Doch am 31. Dezember ist am Abend eine kleines zu beobachten.

Der Zeitpunkt ist perfekt. Das Silvestermenü kann dieses Jahr mit einer besonderen Einlage eröffnet werden: mit einem kosmischen Schattenspiel. In der Silvesternacht ist Vollmond – und Sonne, Erde, Mond stehen ziemlich genau in einer Linie am Himmel. So streift der zweite Dezember-Vollmond mit seinem Südrand knapp den Schatten der Erde und wird während einer guten Stunde partiell verfinstert. Bei klarem Wetter lässt sich dieses Naturphänomen mit blossem Auge beobachten.

Am Donnerstagabend, etwa um 19.30 Uhr, macht sich der Halbschatten der Erde auf der Mondscheibe als grauer Schleier allmählich bemerkbar. Die eigentliche Teilfinsternis beginnt mit dem Eintritt des Mondes in den Kernschatten um 19.52 Uhr. Dieser Schatten ist ganz dunkel, da ihn kein direktes Sonnenlicht erreicht. Mit einem Feldstecher ist die leichte Delle am unteren rechten Rand des Erdtrabanten erkennbar. Um 20.23 Uhr ist mit einer Verfinsterung von 8 Prozent bereits das Maximum der kleinen Mondfinsternis erreicht. Der Kernschatten zieht sich dann bis um 20.54 Uhr wieder vom Vollmond zurück.

Die längste Vollmondnacht

Besonders ist allerdings nicht nur die partielle Mondfinsternis am 31. Dezember. Aussergewöhnlich ist auch, dass es dieses Jahr gleich zweimal einen Vollmond im selben Monat gibt. Letztmals war dies im Juni 2007 der Fall. Nun wiederholt sich der doppelte Vollmond. Der erste zeigte sich vom 2. auf den 3. Dezember. Es war die längste Vollmondnacht dieses Jahres. Sie dauerte in unserer Region 16 Stunden 53 Minuten.

In der Astronomie wird ein zweiter Vollmond im selben Monat landläufig als Blauer Mond bezeichnet. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem englischen Sprachraum und meint ein nur sporadisch auftretendes, sehr seltenes Ereignis. Im 19. Jahrhundert wurde der Blaue Mond in den USA oft mit astronomischen Ereignissen in Verbindung gebracht. Tatsächlich liess vulkanischer Staub in der Erdatmosphäre den Mond manchmal bläulich schimmern. In jener Zeit spielten die Mondphasen in der Landwirtschaft eine zentrale Rolle. Den Bauern dienten sie als Kalender: Die Vollmonde wurden pro Jahreszeit gezählt und als erster, zweiter und letzter Vollmond durchnummeriert.

Aufgrund der Differenz zwischen dem synodischen Mondmonat (29,5 Tage) und dem Kalendermonat (30 oder 31 Tage) kommt es vor, dass in einer Jahreszeit vier Vollmonde auftreten können. Der dritte Vollmond einer solchen Jahreszeit wurde im «Maine Bauernkalender» aus dem Jahr 1819 erstmals als Blue Moon bezeichnet. Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts hat sich der Begriff «Blue Moon» als zweiter Vollmond in ein und demselben Monat durchgesetzt. Pro Jahrhundert dürfen wir im Schnitt mit etwa 41 Blauen Monden rechnen. Das wäre also etwa alle zweieinhalb Jahre der Fall, vornehmlich in Monaten mit 31 Tagen. Im Februar kann es aber umgekehrt passieren, dass es keinen Vollmond gibt. Dies war letztmals 1999 der Fall und wird sich 2018 und 2037 mit Blauen Monden im Januar und März wiederholen.

Mondfinsternis und Dämonen

Früher flösste eine Mondfinsternis den Menschen Angst ein. Die meisten Kulturen sahen in diesem Naturereignis ein Zeichen kommenden Unheils. Im alten Ägypten betrachtete man eine Mondfinsternis als Versuch des dämonischen Gottes Seth, das heilige Horusauge zu stehlen, das sich in Gestalt des Mondes am Himmel zeigte. Die Chinesen glaubten, dass bei einer Mondfinsternis ein Drache den Mond verschlingt. Noch heute werden die Schnittpunkte zwischen der Erdbahnebene und der Mondbahn Drachenpunkte genannt. Nur an diesen Punkten kann es jeweils zu einer Mondfinsternis kommen. Sobald der Mond verfinstert wurde, vertrieben die Chinesen mit viel Lärm den Drachen, und nach wenigen Stunden war der Mond wieder befreit. Auch bei den Babyloniern spielte der Sternenhimmel eine wichtige Rolle. Astronomische Beobachtungen reichen bis in die Anfänge des 3. Jahrtausends vor Christus zurück. Bereits um 800 vor Christus waren die Babylonier in der Lage, Mondfinsternisse vorherzusagen.

Wetterprognosen lassen hoffen

Die Chancen, in der Silvesternacht das Naturschauspiel zu sehen, sind nach den aktuellen Wetterprognosen nicht schlecht. Es ist veränderliches Wetter mit Südwestwinden angesagt. In einigen Gebieten dürfte sogar noch der Föhn aufkommen. In diesem Fall wäre nicht mit einer Nebelbildung in den Tälern zu rechnen. Der Wind sollte bei bewölktem Himmel immer wieder Wolkenlücken aufreissen, die den Mond sichtbar werden lassen. Es lohnt sich, dieses Naturschauspiel zu beobachten, denn die nächste Mondfinsternis sehen wir erst wieder am 15. Juni 2011.

Quelle: - Tages-Anzeiger - 30.12.2009


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