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Verfasst: 22. Juni 2011 22:35 
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Erneut kam es in Belfast zu heftigen Strassenschlachten zwischen Protestanten und Katholiken. Wieso der Konflikt wieder eskaliert, ist für Konfliktforscher schwer zu erklären.

Schon die zweite Nacht in Folge kommt Belfast nicht zur Ruhe. Vor allem im Osten der nordirischen Hauptstadt, im Stadtteil Short Strand, liefern sich pro-britische Protestanten und irisch-nationalistische Katholiken schwere Gefechte. Rund 400 Menschen bewarfen sich bei den Strassenkämpfen mit Feuerwerkskörpern, Molotow-Cocktails, Flaschen und anderen Geschossen. Mehrer Schüsse fielen, dabei wurden drei Männer verletzt.

Fernsehbilder britischer Sender zeigten Gruppen von maskierten Männern, die die Polizei und sich gegenseitig mit Gegenständen bewarfen. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot präsent. Sie musste mehrere Strassen absperren und Wasserwerfer einsetzen, um die Gegner auseinander zu bringen.

Bereits in der Nacht zum Dienstag waren in Short Strand Unruhen ausgebrochen. In diesem Viertel wohnt eine kleine Gruppe Katholiken inmitten einer hauptsächlich von Protestanten dominierten Nachbarschaft. Einzig sogenannte «peace walls», massive Betonmauern, die einzelne Strassenabschnitte abgrenzen, trennen die beiden religiösen Gruppen voneinander. In ganz Belfast soll es heute mehr solcher Mauern geben als 1994, als die Paramilitärs der Republikaner (Katholiken) und Loyalisten (Protestanten) zum ersten Mal eine Waffenruhe beschlossen.

Politischer Fortschritt vs. konfessioneller Streit

Zusammenstösse um den 12. Juli sind nichts Ungewöhnliches. An diesem Tag erinnern jedes Jahr zehntausende Protestanten mit Märschen an den Sieg von Wilhelm von Oranien über das katholische Heer in der Schlacht von Boyne. Doch die jüngsten Strassenkämpfe in Belfast werden von der Polizei als die schwersten seit Jahren bezeichnet. Am Dienstag sind sie von der radikalen protestantischen Gruppe UVF (Ulster Volunteer Force) begonnen worden.

Zuletzt führte der Konflikt 2002 zu ähnlich heftigen Auseinandersetzungen. Sie zeigen, dass der Graben zwischen politisch-diplomatischem Fortschritt und konfessionellem Streit noch immer sehr tief ist. Sie Jahren bekämpfen sich gewaltbereite unionistische Protestanten, die weiterhin zum Vereinigten Königreich gehören wollen, und katholische Republikaner. Diese fordern, dass Nordirland in die unabhängige Republik Irland eingegliedert werden soll.

Short Strand im Brennpunkt des Konflikts

Dass der immer wiederkehrende Konflikt jetzt gerade in Short Strand neu entbrannt ist, hat vor allem eine historische Dimension. Im 19. Jahrhundert wanderten viele Katholiken aus dem Süden und Osten der nordirischen Grafschaft Down in den Stadtteil von Belfast. Sie bauten ihre eigenen Schulen und vor allem ihre eigene Kirche, die «St Matthew’s Church». Doch die ersten Probleme der Einwanderer liessen nicht lange auf sich warten. «Obwohl Short Strand gleich neben der Schiffswerft liegt, wurden die Katholiken bei der Arbeitssuche praktische ausgeschlossen», sagt der Historiker Eamon Phoenix gegenüber der BBC.

«Doch richtig bedeutend wurden die Spannungen erst in den Jahren 1920 bis 1922 als mehr als 500 Menschen in einem eigentlichen Bürgerkrieg ums Leben kamen», so Phoenix. Der Streit erreichte 1970 mit der Attacke der Loyalisten auf die «St Matthew’s Church» seinen vorübergehenden Höhepunkt und führte – als Gegenreaktion – zu einem Erstarken der Irisch-Republikanischen Armee (IRA).

Immer wieder kleinere Scharmützel

Für den Konfliktforscher Neil Jarman ist es extrem schwierig zu erklären, wie dieser Konflikt nach einer «Kampfpause» wieder neu so heftig entbrennen konnte. Gegenüber der BBC wagt er einen Erklärungsversuch: «Sprichst du mit der einen Seite, hörst du die eine Version, redest du mit der Anderen, sagen sie dir was komplett anderes.» Fest steht für ihn nur, dass es zu kurz greifen würde, den Konflikt lediglich auf die Unfähigkeit zweier Gesellschaften beschränken zu wollen, die nicht nebeneinander leben können.

«Was wir wissen ist, dass es sporadisch zu kleineren Scharmützeln kommt, über die gar nicht erst von den Medien berichtet wird. Aber genau diese vermeintlichen Bagatellen sind es, die erst schwerwiegende Spannungen provozieren und auslösen.» Jetzt müssten die Politiker, Polizei und Behörden erst einmal analysieren, was genau Geschehen ist und welche Rolle dabei die paramilitärischen Einheiten, wie die UVF, spielen.

Regierung verurteilt Gewalt

In einer ersten Stellungnahme verurteilten Nordirlands erster Minister, der Protestant Peter Robinson, und sein katholischer Stellvertreter Martin McGuiness die Gewalt. «Eine kleine Minderheit ist entschlossen, unsere Gemeinschaften zu destabilisieren», sagte McGuiness. «Wir werden es ihnen nicht erlauben, uns zurück in die Vergangenheit zu ziehen.»

Quelle: - sda - 22.06.2011 - www.20min.ch/news/ausland/story/Die-Gew ... n-16263008


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